Diskussionsveranstaltung mit: Hasan Sezgin, Prof. Dr. Udo Steinbach und Murat Cakir am 17. Mai 1999 in Kassel
Die türkische Regierung glaubt, mit der Inhaftierung von Abdullah Öcalan, dem Parteivorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans PKK, den Kurdenkonflikt endgültig gelöst zu haben.
Daß dem nicht so ist, zeigt der anhaltende und wachsende Widerstand gegen die Unterdrückung durch den türkischen Staat. Schon lange lassen sich die kurdischen Forderungen, nach einer friedlichen Lösung des Kurdenkonflikts nicht mehr unterdrücken. Viele menschenrechtliche Institutionen, Gewerkschaften, Rechtsanwälte und prokurdische Parteien sind aufgrund ihrer Forderung nach einer friedlichen und politischen Lösung, Repressalien ausgesetzt. In den letzen Wochen wurden hunderte Mitglieder der prokurdischen Partei HADEP, darunter auch zahlreiche Vorstandsmitglieder, verhaftet und zahlreiche Parteibüros zerstört, und trotzdem wurde die HADEP bei den Wahlen am 18.04.99 die stärkste politische Kraft in der kurdischen Region (in vielen Städten bekam sie mehr als 50% der abgegebenen Stimmen).
Obwohl sehr viele Kurden die HADEP als Repräsentanten ihrer Rechte anerkennen, wird sie von der türkischen Regierung als Verhandlungspartner nicht akzeptiert. Im Gegenteil: gerade deswegen wird sie diskriminiert und verfolgt.
Am 26.01 99 hat sich die Nationale Plattform Nord-Kurdistan, bestehend aus sechs verschiedenen Parteien (PKK, PSK, KKP, PIK,PRK, HEVG1RTIN), auf einer Pressekonferenz ihren Willen für einen offenen Dialog mit der türkischen Regierung bekundet.
Die Antwort des türkischen Staates auf dieses Friedensangebot war und ist immer noch Unterdrückung, Verfolgung und Vertreibung der kurdischen Bevölkerung. Der Widerspruch und die damit verbundene Heuchelei des türkischen Staates zeigt sich insbesondere darin, indem sie sich an dem NATO-Bombardement auf Jugoslawien in massiver Weise beteiligt. Seit Wochen wird propagiert, die Angriffe würden zum Schütze der albanischen Bevölkerung im Kosovo durchgeführt. Man wolle damit der Vertreibung und der ethnischen Säuberung an den Kosovaren Einhalt gebieten. Doch im eigenen Land haben diese "moralischen Verpflichtungen" anscheinend keine Bedeutung. In Kurdistan wird weiterhin gebombt, zerstört und gemordet. Kurdistan ist eben nicht Jugoslawien und Ecevit (samt seiner Militärclique) nicht Milosevic. Einzig allein die strategischen Interessen bestimmten was Recht und was Unrecht ist.
Wie könnte aber dennoch - auch wenn die derzeitigen Umstände dem zu widersprechen Schemen- eine friedliche und politische Lösung der Kurdenfrage aussehen? Sind die Voraussetzungen für einen Dialog und damit für einen Frieden gegeben? Diese und noch weitere Fragen sollen unter Beteiligung namhafter Experten am Podiumstisch erörtert sowie Lösungsansätzen nachgegangen werden.
Diskussionsveranstaltung mit:
Hasan Sezgin (Kurdisches Institut für Wissenschaft und Forschung e.V., Berlin)
Prof. Dr. Udo Steinbach (Deutsches Orientinstitut, Hamburg)
Murat Cakir (Vorsitzender der Ausländerbeiräte in Deutschland)
Am Montag, 17. Mai 1999, um 19 Uhr, im DGB-Haus, Spohrstr. 6-8 (Saal)
Veranstalter:
YXK (Verband der Studentinnen aus Kurdistan), Kreis Kassel
Kasseler Friedensforum
Bündnis 90/ Die Grünen, Kreis Kassel
Zentrum für kurdische Sprache und Kultur e.V., Kassel
Unterstützer:
AStA der Uni GH Kassel
PDS, Kreis Kassel