Lieber Giyasettin
Sayan und Evrim Baba,
wir wissen es zu
würdigen, dass Ihr es anerkennt, wonach "Mängel in
bezug auf die innerparteiliche Demokratie der PKK zu Recht vorgewor-
fen werden", dass dies leider auch für die PUK und KDP zutrifft, ist
uns
bekannt und haben wir nie abgestritten. Die konkreten Ereignisse vom
Sommer letzten Jahres, die zu dem offenen Brief führten und anschlie-
ßend eine Schlammschlacht gegen uns von Özgür Politica, dem Präsi-
dialrat und PKK-nahen Kreisen hervorriefen, sowie eine Reihe inzwischen
bekannt gewordener Fakten, verlangen aber gegenwärtig eine Diskussion
über die innerparteiliche Demokratie der PKK.
Offenbar habt Ihr
das Interview von Ulla Jelpke und unseren Bericht nur
selektiv gelesen, wenn Ihr uns ausgerechnet vorwerft, wir hätten "auch
Gesprächsangebote von PKK-Funktionären" folgen müssen. In dem Be-
richt ist ausführlich beschrieben, dass wir dies von Anfang an versucht
haben. Vor Antritt der Reise hat Ulla Jelpke noch einmal an die PKK-
Führung geschrieben und unseren Besuch sowie unsere Gesprächsbe-
reitschaft angekündigt und um Rückmeldung gebeten (Kopie füge ich
Euch zu Eurer Kenntnis als Beleg mit bei). Bis heute erfolgte noch nicht
einmal eine Reaktion hierauf.
Würdet Ihr so freundlich
sein, dies endlich zur Kenntnis zu nehmen? -
auch wenn die zwingende Schlussfolgerung aus dem Verhalten der PKK-
Führung , sie wolle keine Gespräche und will vor allen Dingen keine
Auf-
klärung über die tragischen Vorgänge, die nach wie vor andauern, von
Euch gegenwärtig nicht gezogen werden können (zumindest werdet Ihr
dies nicht öffentlich zugeben wollen?)
Da der Krieg der
PKK-Führung gegen die TR für immer für beendet er-
klärt wurde, kann es keine Rechtfertigung (mehr) für die Anwendung von
Kriegsrecht als Strafe für Deserteure mehr geben.
Nach allen unseren
Informationen (auch von vielen PKK freundlichen Kur-
den in Südkurdistan) scheint es die PKK-Führung gegenwärtig zu sein,
die die Kriegsgefahr mit in Südkurdistan schürt mit ihren Gebietsansprü-
chen , die ernsthaft keinerlei Grundlagen haben. Ein neuer Bruderkrieg
zwischen kurdischen Organisationen, den die PUK nach unseren Infor-
mationen ernsthaft vermeiden will, könnte zu dem von uns beschriebenen
Schlachtfeld führen, über dessen Ende sich die Feinde des kurdischen
Volkes die Hände reiben werden. Ganz zu schweigen davon, dass es
mit dem gesunden Menschenverstand nicht zu erklären ist, zu veröffent-
lichen, gegen das türkische Militär auf gar keinen Fall mehr kämpfen
zu
wollen, gleichzeitig aber bewaffnet gegen den (angeblichen) Handlanger
der TR vorzugehen.
Die Demilitarisierung
und das Suchen einer positiven Perspektive für die
Tausende von Guerilla-KämpferInnen ist eine wichtige Aufgabe, der sich
auch und gerade PDS-Abgeordnete stellen sollten, statt die Augen vor
der Realität zu verschließen.
Lasst es uns gemeinsam
anpacken!
Mit freundlichen
Grüssen
Ulla Jelpke, Renate Schultz