SULEIMANIYA. Der noch jungen Oppositionsbewegung "Goran" ist
es offenbar gelungen, die politische Landschaft im irakischen Kurdistan
kräftig durcheinander zu wirbeln. Die Goran-Liste hat landesweit
offenbar mehr als 20 Prozent der Stimmen erlangt. In Suleimaniya, der
Provinz im Südosten der Region, hat sie die Wahl nach ersten vorläufigen
Ergebnissen sogar gewonnen.
"Wir
haben in Suleimaniya mehr als 50 Prozent der Wählerstimmen
errungen", sagte Hama Tawfik, prominenter Kandidat von Goran.
Die Goran-Liste liege in Suleimaniya vorn, bestätigte Basher
Mohammed Tawfik vom Bündnis aus je zwei gemäßigten
islamistischen und säkularen Parteien, das in einigen Gegenden
ebenfalls punkten konnte. Dass Goran, was auf Deutsch Wechsel heißt,
gut abgeschnitten hat, räumten auch Vertreter der Patriotischen
Union Kurdistans (PUK) ein, deren Hochburg Suleimaniya bisher war.
Dass die PUK von Präsident Dschalal Talabani und die Demokratische
Partei Kurdistans (KDP) von Masud Barzani die Doppelwahl für das
Parlament und den Regionalpräsidenten gewonnen haben, stand am
Sonntag weitgehend fest. Wie schon bei den Wahlen vor vier Jahren traten
die beiden politischen Schwergewichte Kurdistans auf einer gemeinsamen
Liste an. Auch die Wiederwahl von Barzani zum Regionalpräsidenten
galt als sicher. Offenbar hat Talabani jedoch den Unmut in den eigenen
Reihen, aus der die Goran-Liste hervorgegangen ist, sowie den Ärger über
Korruption und Vetternwirtschaft unterschätzt.
Die
Wahlen sind freilich von Betrugsvorwürfen überschattet.
In Suleimaniya sei der Wahlgang weitgehend fair verlaufen, sagte Bashir
Mohammed Tawfik. Doch in den Provinzen Erbil und Dohuk habe es in den
Abendstunden schwere Manipulationen gegeben. Nicht nur hätten
die Regierungsparteien Personen zu den Wahllokalen gefahren, die nicht
wahlberechtigt waren, ihre Vertreter seien auch an der Beobachtung
der Auszählung gehindert worden.