Die
Türkei schlittert in ihren kurdischen Regionen im Südosten
immer mehr in den nächsten Bürgerkrieg. Erneut wurden in
der Nacht von Montag auf Dienstag bei einem Angriff kurdischer Guerilleros
sechs Soldaten getötet. Ein Stützpunkt bei Cukurca nahe
der irakischen Grenze wurde angegriffen, etliche weitere Soldaten
sollen verletzt worden sein. Über getötete PKKler gab es
zunächst keine Informationen.
Wegen
anhaltender Kämpfe forderten die Soldaten Luftunterstützung
an. Seit die PKK Ende Mai ihren Waffenstillstand offiziell beendete,
werden laufend Militär, Polizei und Gendarmastationen attackiert.
Die türkische Armee antwortete mit Vorstößen auf nordirakisches
Gebiet, wo die PKK ihre Rückzugscamps hat, und bombardierte mehrfach
PKK-Stützpunkte im Nordirak aus der Luft.
Angesichts
der Kämpfe und der vielen getöteten Soldaten finden
im ganzen Land ständig Beerdigungen statt, die zu Massendemonstrationen
gegen die PKK werden und damit auch das Klima zwischen Türken
und Kurden insgesamt vergiften. Genauso werden getötete PKK-Kämpfer
im Südosten mit großer Anteilnahme der Bevölkerung
als "Märtyrer" beerdigt.
Obwohl
die Regierung behauptet, sie würde ihre "demokratische Öffnung" zur
politischen Lösung des Kurdenkonflikts fortsetzen, ist davon nichts
zu spüren. Stattdessen dominieren militärische Szenarien.
Die Opposition wirft der Regierung Erdogan vor, nicht energisch genug
gegen die PKK vorzugehen, und fordert teilweise die Wiedereinsetzung
des Kriegsrechts in den südöstlichen Provinzen.
Regierung
und Militärführung diskutieren darüber, eine
neue Kampftruppe von rund 100.000 Mann aufzustellen, die nur aus Berufssoldaten
bestehen soll. Dadurch soll der Kampf gegen die Guerilla effektiver
und vor allem verhindert werden, dass weiter so viele junge Wehrpflichtige
getötet werden. Kritiker erinnern aber daran, dass vor allem solche
Spezialtruppen in den 90er Jahren für die schlimmsten Ausschreitungen
gegen die kurdische Zivilbevölkerung verantwortlich waren.
Parallel
zu den internen Diskussionen haben Regierungschef Erdogan und Außenminister Ahmet Davutoglu sich wiederholt beschwert,
dass die Türkei aus Europa, dem Nordirak und den USA zu wenig
im Kampf gegen die PKK unterstützt werde. In einem Interview griff
Davutoglu unlängst die deutsche Regierung frontal an und warf
ihr vor, lieber die islamische Hilfsorganisation IHH zu verbieten,
anstatt gegen die Geldtransfers für die PKK vorzugehen.