Aus: Kurdistan-Rundbrief
15.12.1999

Mein Kurdistan,
dein Kurdistan ...

 

Der Vorsitzende der Patriotischen Union Kurdistan PUK Jelal Talabani beschuldigte laut Kurdish Media (7.12.99) in einem Interview mit Sahar TV, die Arbeiterpartei Kurdistan PKK habe ihr Wort gegenüber der PUK nicht gehalten, die ihr doch sehr viel Gutes getan hätte. Letzteres sähe die PUK übrigens nicht als Gefallen, sondern als ihre patriotische und nationale Pflicht an.

"Wir (PUK) sind aufgrund der PKK in große Schwierigkeiten geraten. Die türkische Regierung hat uns als Feind betrachtet und wegen der PKK gegen uns gekämpft. Doch wir verfolgen ihnen (PKK) gegenüber eine konsequente Politik: wir sperren sie nicht ein, gestatten ihnen aber gleichzeitig nicht, hierher zu kommen und ihre Militärcamps auf unserem Gebiet einzurichten, um die Türkei von hier aus anzugreifen."

Ganz klar widersprach er dem pankurdischen Konzept der PKK: "Nach unserer Meinung ist die PKK eine Partei "Türkisch-Kurdistans", sollen sie doch in ihr eigenes Kurdistan gehen und dort kämpfen, oder sich für Frieden einsetzen, oder was immer sie wollen."

Talabani schien mit Öcalans Friedensinitiative einverstanden zu sein, betonte allerdings, die PKK könne nicht in "ihrem eigenen (Nord-)Kurdistan nach Frieden rufen und uns Krieg bringen".
Zudem beschuldigte er die PKK, nicht eine einzige Abmachung eingehalten zu haben, die mit der PUK - unter Berücksichtigung der "besonderen Lage" (in Südkurdistan) - getroffen worden sei. "Wir können nicht offen ihre militärischen oder politischen Hauptquartiere in unserem Kurdistan unterstützen."
Er benutzte das Wort "offen", als ob er sofort bereit zur Zusammenarbeit sei, sobald die Umstände es erlaubten.

Nur zwei Wochen vorher hatte die PUK laut Kurdish Media 80 Mio. US-Dollar dafür angenommen, das Büro der Zeitung "Welat", das neu ausgebaute Krankenhaus von Heyva Sor a Kurdistane sowie das Mesopotamische Kulturzentrum in Suleymania unter dem Vorwurf der Verbindung zur PKK zu schließen.

Schließlich verneinte Talabani ausdrücklich jede Rivalität der PUK zur PKK und gab der PKK den Rat, zu bedenken, dass in "Irakisch-Kurdistan" andere Umstände herrschten, dass sie (PKK) den Menschen dort helfen und sie um Erlaubnis bitten müssten, "statt nur ihre eigenen täglichen naiven Ziele zu sehen".

Am 8. Dezember erklärte Talabani dann wieder in einem Interview, "wir sind zwar keine Kollegen der PKK, aber wir bekämpfen sie nicht und sie können sich politisch in Irakisch-Kurdistan betätigen". Wiederum betonte er die politische Aufteilung Kurdistans, kritisierte jetzt aber die Intention der USA, die PUK gegen die PKK aufzuhetzen, diese als "Terroristen" zu bekämpfen und die dadurch instabile Lage für sich zu nutzen.

Vor allem verurteilte er den Wortbruch der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) Massoud Barzanis, sich entgegen der Vereinbarungen mit Madeleine Albright nicht an der gerechten Verteilung der Zölle und an der Vorbereitung für freie Wahlen und die Bildung einer Regierung zu beteiligen.

Die türkische Zeitung Cumhuriyet meldete am 28. November, 2.000 KDP-Kämpfer nähmen an der Invasion türkischer Truppen nach Südkurdistan teil. Dieses wurde auch von kurdischen Funktionären in Europa bestätigt. 20.000 Soldaten seien einmarschiert, von Hubschraubern unterstützt, um gegen die PKK zu kämpfen. Türkische Medien berichteten von über 80 getöteten Guerillas.

Laut Kurdish Media nehme die KDP zum einen teil, um die PKK für die letzten Angriffe gegen sie zu bestrafen, zum anderen aufgrund der engen Beziehungen zur Türkei, die der einzige Zugang zur internationalen Gemeinschaft und (durch den Ölhandel über die Grenze bei Habur) zu harter Währung sei.

Die Türkei wiederum versuche, ihre nach internationalem Recht illegalen Operationen zu legitimieren, indem sie auf die KDP-Unterstützung hinweist, dass sie nämlich zugunsten der dort lebenden Kurden handele.
Bereits am 27. November hatte Talabani gegenüber dem ägyptischen Fernsehsender Nile TV diesen letzten Einmarsch türkischer Truppen nach Südkurdistan und die Beteiligung der KDP angeprangert und als Verstoß gegen das Washingtoner Abkommen bezeichnet.


(Quelle: Kurdish Media, 1.,7. u. 9.Dezember 1999)