taz Berlin lokal
17.5.2002

Kurdische Kosmopoliten
Die Musik der Migration:

"Kurdish-European Sounds & Songs"
im Haus der Kulturen

 

Kurdische Kultur ist zu einem guten Teil eine
Kultur des Exils, das gilt auch für die Musik:
Weil die Entfaltungsmöglichkeiten in allen Län-
dern, in denen Kurden leben, durch Sprachver-
bote und andere Restriktionen, stets einge-
schränkt waren, hat sich Europa zum wichti-
gen Experimentierfeld für neue musikalische
  Ausdrucksformen entwickelt. Und kurdische
Musiker, die sich im Ausland niedergelas-
sen haben, waren oft kreativ im Beschreiten
neuer Wege - auch wenn ihnen ihr Publikum
da nicht immer folgen wollte: Manche mögens
lieber traditionell.

     
In Deutschland leben besonders viele Kurden,
ob ausgewandert oder geflüchtet, trotzdem fin-
det kurdische Musik hierzulande nur selten ein
Publikum außerhalb politisch orinentierter Ver-
anstaltungen. Die studentische "Kurdistan AG"
an der FU Berlin bemüht sich schon seit zehn
  Jahren, kurdischer Kultur ein neues Forum zu
eröffnen, sie hat Tagungen organisiert und vor
Jahren schon einmal ein kurdisches Musikfe-
stival: Damals gaben sich die großen Namen
der kurdischen Diaspora wie Sivan Perver und
Ciwan Haco die Ehre.
     
Diesmal steht die Initiative hinter einem Kon-
zert, das die Grenzgänger der kurdischen Exil-
szene ins Blickfeld rückt: So wie Sener Yildiz
etwa, geboren und aufgewachsen in der Türkei.
Seit zwei Jahren lebt der 26-jährige als Student
in Hamburg, in seinen Kompositionen mischt
sich Kurdisches in das Pop und Rock-Esperan-
to. Gani Mirzo wiederum stammt aus Syrien
und lebt seit Anfang der Neunzigerjahre in Bar-
celona, wo er Musik studiert und mit spani-
schen Mitstreitern eine Band gegründet hat.
  In Spanien konnte er sich bereits einen Na-
men machen, kreuzt er doch in seinen instru-
mentalen, sehr rhythmischen Kompositionen
Motive der kurdischen Folklore mit denen der
andalusischen, mit Flamenco und Jazz. Und
ebenfalls aus Syrien stammt Abbas Ahmed,
der seit fünf Jahren in Münster lebt und mit
seinem neunköpfigen Ensemble durch kurdi-
sche Rhythmen, Raggee und sogar rockige
Balladen streift: Kurdische Kosmopoliten alle-
samt, die so noch nie zu hören waren.