"Unser Wasser- Kassel"
Initiative Bürgerbegehren gegen die Privatisierung von Wasser in der Region

HNA 24.2.2004

Idee machte Kritiker munter
Seit einem Jahr wird über die Wasserunion heftig diskutiert und gestritten

Von Jörg Steinbach

 

KASSEL. Vor fast genau einem Jahr hat die HNA die Idee für eine Wasserunion erstmals öffentlich gemacht. Die Kritik an den zunächst hinter verschlossenen Türen geschmiedeten Plänen der Kasseler Städtische Werke Aktiengesellschaft und der Energie-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland (EAM) ließ nicht lange auf sich warten. Inzwischen haben sich die Kritiker formiert und wollen mithilfe eines Bürgerbegehrens in Kassel verhindern, dass Kommunalpolitiker die Weichen in Richtung Wasserunion stellen. Kommt ein Bürgerbegehren zu Stande und gibt es bei der Abstimmung ein mehrheitliches Nein zu den Plänen für die Wasserunion, dann wären die Kasseler Kommunalpolitiker drei Jahre lang an dieses Bürgervotum gebunden.

In der neuen Gesellschaft Wasserunion wollen Stadtwerke und EAM ihren jeweiligen Fach- und Sachverstand vereinigen, um den Städten und Gemeinden in der Region künftig attraktive und wettbewerbsfähige Angebote für die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung unterbreiten zu können.

Dahinter steckt die Erkenntnis, dass die meisten Kommunen in Sachen Wasser und Abwasser vor gewaltigen Aufgaben stehen, aber kaum noch Geld für Investitionen haben. Wasserleitungen und Abwasserkanäle in Schuss zu halten und zu erneuern, wurde vielerorts über Jahre immer wieder aufgeschoben. Oft ist die Technik für Wassergewinnung und -behandlung völlig veraltet, nicht selten fehlt das geforderte, qualifizierte Personal. Die hohen Qualitätsstandards für das Lebensmittel Nummer eins zu garantieren, wird immer teurer und komplizierter. Und auf europäischer Ebene ist absehbar, dass auch der Wassermarkt liberalisiert wird. Was bedeutet, dass die Kommunen die bisher hoheitlichen Aufgaben künftig auch auf private Anbieter übertragen dürfen.

In Vellmar gibt es bereits ein Beispiel für eine Wasser-Partnerschaft. Die Stadt hat schon Mitte der 90er-Jahre ihre komplette Trinkwasserversorgung an die Kasseler Stadtwerke verkauft. Die damals heftig diskutierte Entscheidung habe man nie bereut, sagt Vellmars Bürgermeister Dirk Stochla: "Im Gegenteil - wir haben nur positive Erfahrungen gemacht." Die nötigen Millionen-Investitionen in Technik und Fachpersonal "hätten wir nur schwer schultern können". Mit den Kasseler Stadtwerken habe man einen kompetenten Partner und eine "ganz hervorragende Zusammenarbeit", zieht der Bürgermeister Bilanz. "Ich gehe fest davon aus", so Stochla, "dass wir heute höhere Wasserpreise hätten, wenn wir das selbst betreiben würden."

Die Kritiker einer Wasserunion denken freilich weniger an ein solches positives Beispiel, sondern fürchten die Macht der großen Konzerne. Die EAM gehört inzwischen mehrheitlich zum eon-Konzern, der mithilfe einer Wasserunion wohl gern auch im lukrativen Zukunftsmarkt Trinkwasser Fuß fassen würde. Die Städtische Werke AG gehört zu einem knappen Viertel der Hamburgische Electricitätswerke AG (HEW). Das Sagen bei HEW hat wiederum der staatliche schwedische Energiekonzern Vattenfall, der zu einem führenden europäischen Versorger werden will.

Eine politische Mehrheit in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung ist für die Wasserunion derzeit kaum in Sicht. Im Januar hatte das Stadtparlament auf Initiative der SPD beschlossen: "Die Wasserversorgung für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Kassel soll weiterhin in gewohnter und bewährter Qualität durch ein eigenes kommunales Unternehmen und in Kooperation mit anderen Kommunen der Region gesichert werden." Die Bewirtschaftung der Lebensressource Wasser müsse weiterhin als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge in kommunaler Hand bleiben, so der einstimmige Beschluss, der bei Nichtbeteiligung der CDU-Fraktion und zwei Enthaltungen aus der CDU-Fraktion und der Fraktion Bündnis für Kassel gefasst wurde.