"Unser Wasser- Kassel"
Initiative Bürgerbegehren gegen die Privatisierung von Wasser in der Region

HNA 18.7.2006

Wieviele Bäder sind nötig?
Städtische Werke wollen Gutachten erst nach der Sommerpause vorlegen

Von Peter Ketteritzsch

 

Kassel. Die Frage steht seit nunmehr fast zweieinhalb Jahren im Raum: Was wird aus Kassels Bädern? Drei Hallen- und drei Freibäder leistet sich die Stadt, und keines davon ist baulich und anlagentechnisch auf dem neuesten Stand.

Auf 18,1 Millionen Euro, das haben die Städtischen Werke ermittelt, summiert sich inzwischen der Investitionsstau. Dabei geht es nicht um Geld für Luxussanierungen, sondern nur um Geld für dringend notwendige Reparaturen. Seit der Vorlage des Gutachtens sind schon wieder 17 Monate vergangen. Verbessert hat sich der Zustand der Bäder seither nicht.

Vor allem die großen Parteien sind nicht scharf darauf, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Der frühere Oberbürgermeister Georg Lewandowski (CDU) lehnte die Schließung auch nur eines Bades kategorisch ab. Er plädierte stattdessen für eine schrittweise Sanierung. Taten folgten den Worten allerdings nicht.

Erst die Liberalen griffen das heiße Eisen wieder auf - und zwar im Kommunalwahlkampf: Sie forderten den Abriss des Stadtbades Mitte. Über den Verkauf des in der Nachbarschaft des City-Point gelegenen Innenstadtgrundstücks (Wert: circa vier Millionen Euro) könne der Bau eines neuen, wettkampftauglichen Bades am Nordrand des Kulturbahnhofes zumindest teilweise finanziert werden.

Der Vorstoß hat den neuen Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) in Zugzwang gebracht. Zwar äußerte er sich nicht zu der Forderung, doch er spannte die Werke erneut ein. Diesmal geht es ans Eingemachte. Die neue Expertise soll Aufschluss darüber bringen, welcher Bedarf an Bädern in Kassel besteht. Bis zum Sommer sollte das Papier vorliegen. Jetzt ist Sommer. Doch das Gutachten ist noch nicht fertig. "Nach der Sommerpause wird es vorliegen", sagt Rathaussprecher Hans-Jürgen Schweinsberg auf Anfrage unserer Zeitung. Egal, zu welcher Entscheidung die Experten der Werke kommen, der Inhalt wird für Diskussionen sorgen. Denn die Aufgabenstellung der Experten lässt auch unpopuläre Szenarien zu: die Schließung eines oder mehrerer Bäder.


 

Hintergrund

Sanierung würde Millionen kosten

18.1 Millionen Euro sind laut der Bestandsaufnahme der Städtischen Werke notwendig, um die drei Hallen- und die drei Freibäder der Stadt Kassel zu sanieren. Stadtbad Mitte: gut fünf Millionen Euro; Hallenbad Süd in Oberzwehren: 2,9 Millionen Euro; Hallenbad Ost in Bettenhausen: 2,4 Millionen Euro; Auebad: 4,4 Millionen Euro; Freibad Harleshausen: 1,8 Millionen Euro; Freibad Bad Wilhelmshöhe: 1,5 Millionen Euro. (ket)


Kommentar
von Peter Ketteritzsch

Probleme einkalkuliert

 
 

Das Thema Bäder könnte nach der Sommerpause zur ersten ganz großen Herausforderung für Oberbürgermeister Bertram Hilgen werden. Gesetzt den Fall, die Gutachter der Städtischen Werke kämen zu dem Schluss, dass man aus wirtschaftlichen Gründen auf eines oder mehrere Bäder verzichten sollte, dann muss Hilgen Farbe bekennen. So einfach wie einst Georg Lewandowski kann er es sich jedenfalls nicht machen: Um des lieben Friedens mit den Vereinen Willen kamen Schließungen für den Ex-OB nicht infrage. Er setzte stattdessen auf eine schrittweise, angesichts der desolaten Finanzsituation der Stadt Kassel aber völlig unsichere Sanierung der bestehenden Bäder.

Hilgen hingegen weiß, dass selbst nach einer millionenschweren Sanierung nicht viel gewonnen wäre. Die Bäder wären zwar technisch auf der Höhe der Zeit. Aber die Attraktivität wäre wohl kaum größer als heute.

Die Aufgabenstellung für die Experten ist allerdings ein Indiz dafür, dass Hilgen an einer dauerhaften Läsung der Bäderfrage gelegen ist: Der OB muss mit einer Antwort rechnen, die ihm Probleme bereiten wird. Wie viele Bäder braucht Kassel?. Diese Frage sollte rasch politisch entschieden werden.