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Kassel.
Jetzt wird es ernst. Die Angst geht um bei den Mitarbeitern
der Städtischen Werke, seit Oberbürgermeister Bertram
Hilgen und Kämmerer Dr. Jürgen Barthel prüfen,
ob sie 49,9 oder gar 74,9 Prozent der Aktien verkaufen sollen. "Es
geht um unsere Arbeitsplätze. Es geht um uns und unsere
Kollegen."
Nur
noch neun Minuten. Die zehn Männer werfen verstohlene
Blicke auf ihre Armbanduhren. "Hoffentlich kommen noch
mehr. Wir können ja nichts anderes tun, als auf uns aufmerksam
zu machen." Die kleine Gruppe ist die erste, die am Königstor
eintrifft. Innerhalb weniger Minuten füllt sich die Straße
mit mehr als 300 Demonstranten.
Gegen
Privatisierung der Städtischen Werke und Studiengebühren
richtet sich ihr Protest. Von der Bürgerinitiative gegen
Wasserprivatisierung, über Attac, dem Schülerbündnis
gegen Studiengebühren, der studentischen Vollversammlung
der Uni, der Sozialistischen Alternative, dem DGB-Stadtverband
und der Bürgerinitiative "Leere Kassen - Calden lassen" -
sie alle zeigen, wie ernst es ihnen ist.
Die
größten Sorgenfalten auf der Stirn aber haben
die Angestellten der Städtischen Werke. "Ich habe
ein Haus, eine Familie, laufende Kosten - wer weiß, was
kommt, wenn wir erst einmal verkauft sind", sagt ein Mitarbeiter
der Kantine. "Die, die als Letzte kommen, gehen als Erste
- dann ist mein Arbeitsplatz bald Geschichte", befürchtet
eine Auszubildende. "Privatisierung bedeutet immer Stellenverlust",
sagt Klaus Horn von Ver.di. "Und die Stadt hat Verantwortung
gegenüber den 960 Beschäftigten." Mit Trillerpfeifen
und Transparenten ziehen die Demonstranten vor das Rathaus.
Draußen schallt die Stimme der Organisatorin Veronika
Baier über das Megafon: "Wir sind laut, weil man
uns die Werke und die Bildung klaut."
Drinnen tagen die Stadtverordneten bei ihrer Sitzung.
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