"Unser Wasser- Kassel"
Initiative Bürgerbegehren gegen die Privatisierung von Wasser in der Region

Hessisches Fernsehen / Hessenschau (12.6.2006, 17 Uhr)

   

Originalton:

"Mehrere hundert Menschen haben in Kassel gegen die geplante Privatisierung der Städtischen Werke demonstriert. Der Grund: Kassel braucht dringen Geld, denn die Stadt ist hoch verschuldet.Verdi befürchtet, dass durch die PrivatisierungArbeitsplätze abgebaut und Trinkwasser teurer werden könnte."

 

HNA 3.6.2006

In Sorge um Arbeitsplätze
300 Demonstranten gegen Verkauf der Städtischen Werke und Studiengebühren

Von Angelika Kleinhenz

 

Foto: Kleinhenz

Trotz Nachmittagshitze und WM-Spiel: Über 300 Demonstranten zogen gestern vom Königstor zum Rathaus. Ihre Proteste richteten sich gegen eine mögliche Privatisierung der Städtischen Werke und gegen Studiengebühren.

 

 

 

 

 

 
 


Kassel.
Jetzt wird es ernst. Die Angst geht um bei den Mitarbeitern der Städtischen Werke, seit Oberbürgermeister Bertram Hilgen und Kämmerer Dr. Jürgen Barthel prüfen, ob sie 49,9 oder gar 74,9 Prozent der Aktien verkaufen sollen. "Es geht um unsere Arbeitsplätze. Es geht um uns und unsere Kollegen."

Nur noch neun Minuten. Die zehn Männer werfen verstohlene Blicke auf ihre Armbanduhren. "Hoffentlich kommen noch mehr. Wir können ja nichts anderes tun, als auf uns aufmerksam zu machen." Die kleine Gruppe ist die erste, die am Königstor eintrifft. Innerhalb weniger Minuten füllt sich die Straße mit mehr als 300 Demonstranten.

Gegen Privatisierung der Städtischen Werke und Studiengebühren richtet sich ihr Protest. Von der Bürgerinitiative gegen Wasserprivatisierung, über Attac, dem Schülerbündnis gegen Studiengebühren, der studentischen Vollversammlung der Uni, der Sozialistischen Alternative, dem DGB-Stadtverband und der Bürgerinitiative "Leere Kassen - Calden lassen" - sie alle zeigen, wie ernst es ihnen ist.

Die größten Sorgenfalten auf der Stirn aber haben die Angestellten der Städtischen Werke. "Ich habe ein Haus, eine Familie, laufende Kosten - wer weiß, was kommt, wenn wir erst einmal verkauft sind", sagt ein Mitarbeiter der Kantine. "Die, die als Letzte kommen, gehen als Erste - dann ist mein Arbeitsplatz bald Geschichte", befürchtet eine Auszubildende. "Privatisierung bedeutet immer Stellenverlust", sagt Klaus Horn von Ver.di. "Und die Stadt hat Verantwortung gegenüber den 960 Beschäftigten." Mit Trillerpfeifen und Transparenten ziehen die Demonstranten vor das Rathaus. Draußen schallt die Stimme der Organisatorin Veronika Baier über das Megafon: "Wir sind laut, weil man uns die Werke und die Bildung klaut."
Drinnen tagen die Stadtverordneten bei ihrer Sitzung.