"Unser Wasser- Kassel"
Initiative Bürgerbegehren gegen die Privatisierung von Wasser in der Region

HNA 29.5.2006

Ein richtiger Schritt oder nur Zweckpropaganda?

Wirtschaftsvertreter und Bürgerinitiative streiten über
möglichen Verkauf weiterer Anteil der Städtischen Werke

 

Kassel. Die Reaktionen auf einen möglichen Verkauf weiterer Anteil der Städtischen Werke sind unterschiedlich.

Dass private Großkonzerne alles billiger und besser machen, sei eine verlogene Zweckpropaganda, sagt Veronika Baier von der Initiative Bürgerbegehren „Unser Wasser gehört uns!“. Das Gegenteil sei richtig: Wasserpreise steigen und an der Erhaltung des Leitungsnetzes werde gespart. Zudem zweifelt die Initiative den langfristigen Nutzen eines Verkaufs an: Die Millionenerlöse vom Verkauf der 25 Prozent aus dem Jahr 2000 seien schon längst im städtischen Haushaltslock versackt.

2004 hätten die großen Rathausparteien noch beteuert, an Verkaufsgerüchten sei nichts dran. Vor diesem Hintergrund sei es höchste Zeit, das Bürgerbegehren mit Nachdruck weiterzubetreiben. Auf die Meinung der Mehrheiten im Rathaus in Sachen Privatisierung sei kein Verlass.

Als einen Schritt in die richtige Richtung bezeichnete hingegen Claus-Rüdiger Bauer die Überlegungen, weitere Anteile der Städtischen Werke zu verkaufen. Die hochverschuldete Stadt gewänne dadurch ein Stück ihrer Handlungsfähigkeit zurück. Der Vorsitzende des Arbeitskreises der Wirtschaft für Kommunalfragen der Stadt und des Landkreises (AfK) wirft den Privatisierungsgegnern vor, keine Lösungsansätze zu haben. „Es ist natürlich einfach, sich beim Steuerzahler zu bedienen. Wer Nein zur Privatisierung sagt, muss Alternativen aufzeigen“, so Bauer.

Bei einem Schuldenberg von fast 500 Millionen Euro der Stadt seien ungewöhnliche Maßnahmen erforderlich: „Wenn 500 Millionen Euro kein Argument sind, zeugt das nicht gerade von wirtschaftlichem Sachverstand“, sagte Bauer.

Ein Verkauf bedeute zudem eine geringere Zinslast – Geld, das für dringend notwendige Investitionen zur Verfügung stünde. (ddd)