Kassel. Die
Vorstellung ist verlockend. Mit einem Verkauf der Städtischen
Werke könnte Kassels Schuldenberg mit einem Schlag ein gutes
Stück abgetragen werden. Doch lohnt sich das wirklich? Ist
der Effekt nicht viel zu schnell verpufft? Darüber wird
zwischen den großen Fraktionen im Kasseler Rathaus derzeit
heftig gestritten.
"Wir sind in ständigen Gesprächen", sagt Kämmerer
Dr. Jürgen Barthel, der die Verhandlungen gemeinsam mit Oberbürgermeister
Bertram Hilgen (beide SPD) führt. Wenn es nur nach den Genossen
ginge, dann würde man schon bald einen Wettbewerb ausrufen,
um den Traumpartner zu finden. Die Wunschvorstellung: Nicht E.on
oder Vattenfall, sondern ein kommunales Versorgungsunternehmen
würde mit einer dreistelligen Millionensumme in Kassel einsteigen.
Als Gegenentwurf zur Privatisierung propagieren die SPD-Dezernenten
dieses Szenario.
Dafür sind sie jedoch auf Unterstützung angewiesen.
Als Partner kommen entweder die Grünen oder die CDU in Frage.
Ohne sie gibt es keine Mehrheit im Parlament.
Bislang stehen
die Zeichen allerdings auf Verweigerung. Von den Grünen kommt ein klares Nein zu allen Verkaufsoptionen. Sie
wollen einen ganz anderen Weg einschlagen. "Wir sollten eher über
einen Rückkauf der Vattenfall-Aktien? reden", sagt Wolfgang
Friedrich für seine Fraktion. Der Konzern hält derzeit
24,9 Prozent der Anteile, will das aber ändern. Entweder mehr
oder gar nichts, so die Position.
Innerhalb
der SPD ist die Verkaufsdiskussion hoch brisant. Der Unterbezirksvorsitzende
Dr. Bernd Hoppe hat in den vergangenen
Wochen und Monaten versucht, Überzeugungsarbeit zu leisten.
Zumindest dafür, dass man Bewerber auffordert, ein Angebot
zu machen. Auf erneuerbare Energien sollen die Kandidaten setzen,
die Arbeitsplätze sichern, eine Sperrminorität der Stadt
von 25,1 Prozent akzeptieren und darauf verzichten, auch bei der
Wasserversorgung einzusteigen.
Ein paar Einschränkungen zu viel, findet die CDU. Die verwahrt
sich gegen Gerüchte, dass sie bereit sei, die Werke inklusive
Wasserversorgung zu 100 Prozent zu verkaufen. "Das stimmt
nicht", sagt die Fraktionsvorsitzende Eva Kühne-Hörmann?.
Sie wirft der SPD vor, sich ohne Not bereits auf ein Verfahren
festgelegt zu haben. Bisher gebe es noch nicht einmal ein Votum
des Aufsichtsrates für den Einstieg in Verkaufsverhandlungen. "Die
machen nur alle verrückt", so Kühne-Hörmann..
Etwas vorsichtiger
drückt sich der Betriebsratsvorsitzende
der Städtischen Werke, Klaus Horn, aus. "Wir machen uns
Sorgen, vertrauen aber auf eine vernünftige Entscheidung",
sagt er. Die Städtischen Werke seien ein wirtschaftlich erfolgreiches
Unternehmen. Es mache keinen Sinn, die Strukturen durch einen Verkauf
zu zerschlagen.
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