"Unser Wasser- Kassel"
Initiative Bürgerbegehren gegen die Privatisierung von Wasser in der Region

HNA 22.2.2008


Das meiste Uran läuft durch

Gefahr durch Schwermetall im Wasser hält sich nach Expertenmeinung in Grenzen

Von Claas Michaelis

 

 

 

 

 

 

 

Kassel. Nur ein geringer Teil des Urans im Kasseler Leitungswasser bleibt im Körper derjenigen, die es trinken. Das ist die Einschätzung von Dr. Gerhard Geipel, Chemiker am Institut für Radiochemie des Forschungszentrums Dresden: "90 Prozent und mehr gehen durch den Körper."

"Im Trinkwasser verbinde sich das Uran im Regelfall mit anderen Stoffen. So würden zum Beispiel so genanntes Uranyltricarbonat und Calcium-Komplexe gebildet, die durch den Stoffwechsel fast komplett ausgeschieden würden.

In einer Studie hatte das Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde Braunschweig Uranwerte von rund vier Mikrogramm je Liter im Kasseler Trinkwasser ermittelt. Einen offiziellen Grenzwert gibt es für Trinkwasser nicht - wohl aber für Mineralwasserhersteller.

Wenn die auf ihre Flaschen den Zusatz "Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet" drucken wollen, darf das Uran einen Wert von zwei Mikrogramm pro Liter nicht überschreiten.

Pilotversuch in Oberfranken

Trotz allem bezeichnet Dr. Geipel einen Wert von vier Mikrogramm wie in Kassel als nicht besonders hoch. Ihm sei ein Fall aus Baden-Württemberg bekannt, in dem ein Mann ohne Wissen über mehrere Jahre Wasser mit einem Urangehalt von 400 Mikrogramm je Liter getrunken hat. Der sei nie ernsthaft erkrankt und älter als 80 Jahre geworden. Allerdings würden Belastungen durch Schwermetalle nicht von allen Menschen gleich gut verkraftet, betont Geipel.

Erfolgreich läuft derzeit ein Pilotversuch in Oberfranken, Uran aus dem Trinkwasser herauszufiltern. Manfred Schardt von der Stadt Burgkunstadt, zuständig für die dortige Wasserversorgung, berichtet, dass sich der Uranwert von teils 30 Mikrogramm auf bis zu 0,1 Mikrogramm absenken ließ. Dabei läuft das Wasser über ein Granulat, das das Uran geradezu herauszieht. Klar sei jedoch noch nicht, wie das angereicherte Granulat entsorgt wird. Das sei nicht nur eine Frage von Genehmigungen, sondern auch der Kosten, so Schardt. Im Zweifel müsste der Wasserpreis wohl steigen.