Kassel. Nur
ein geringer Teil des Urans im Kasseler Leitungswasser bleibt
im Körper derjenigen, die es trinken. Das ist die Einschätzung
von Dr. Gerhard Geipel, Chemiker am Institut für Radiochemie
des Forschungszentrums Dresden: "90 Prozent und mehr gehen
durch den Körper."
"Im
Trinkwasser verbinde sich das Uran im Regelfall mit anderen Stoffen.
So würden zum Beispiel so genanntes Uranyltricarbonat und Calcium-Komplexe
gebildet, die durch den Stoffwechsel fast komplett ausgeschieden
würden.
In
einer Studie hatte das Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde
Braunschweig Uranwerte von rund vier Mikrogramm je Liter im Kasseler
Trinkwasser ermittelt. Einen offiziellen Grenzwert gibt es für
Trinkwasser nicht - wohl aber für Mineralwasserhersteller.
Wenn
die auf ihre Flaschen den Zusatz "Für die Zubereitung
von Säuglingsnahrung geeignet" drucken wollen, darf das
Uran einen Wert von zwei Mikrogramm pro Liter nicht überschreiten.
Pilotversuch
in Oberfranken
Trotz
allem bezeichnet Dr. Geipel einen Wert von vier Mikrogramm wie
in Kassel als nicht besonders hoch. Ihm sei ein Fall
aus Baden-Württemberg
bekannt, in dem ein Mann ohne Wissen über mehrere Jahre Wasser
mit einem Urangehalt von 400 Mikrogramm je Liter getrunken hat. Der
sei nie ernsthaft erkrankt und älter als 80 Jahre geworden.
Allerdings würden Belastungen durch Schwermetalle
nicht von allen Menschen gleich gut verkraftet, betont
Geipel.
Erfolgreich
läuft derzeit ein Pilotversuch in Oberfranken, Uran
aus dem Trinkwasser herauszufiltern. Manfred Schardt von der Stadt
Burgkunstadt, zuständig für die dortige Wasserversorgung,
berichtet, dass sich der Uranwert von teils 30 Mikrogramm auf bis
zu 0,1 Mikrogramm absenken ließ. Dabei läuft das Wasser über
ein Granulat, das das Uran geradezu herauszieht. Klar sei jedoch
noch nicht, wie das angereicherte Granulat entsorgt wird. Das sei
nicht nur eine Frage von Genehmigungen, sondern auch der Kosten,
so Schardt. Im Zweifel müsste der Wasserpreis wohl
steigen.
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