"Unser Wasser- Kassel"
Initiative Bürgerbegehren gegen die Privatisierung von Wasser in der Region

HNA 6.2.2009


Ein Papier, zig Meinungen

Kalivertrag ist umstritten:
Lob, Tadel und Anwälte, die Gegenwehr prüfen

Von Wolfgang Riek

 

 

 

 

 

 

 

Kassel. Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander ist stinksauer. Sein Thüringer Kollege Volker Sklenar und der Kasseler Düngerkonzern K+S loben ihren Vertrag. Und Hessens Landesregierung bleibt auffallend still. Aber überall geht's um ein und dasselbe: die öffentlich-rechtliche Vereinbarung, mit der Erfurt, Wiesbaden und K+S eine "klare Perspektive für Kali-Arbeitsplätze und Umwelt" sichern wollen.

Ein Papier, zig Meinungen: Schon im Vorfeld war Ärger über die Geheimhaltungspolitik der Verhandlungspartner hochgebrodelt. Mancher am runden Tisch zur Werraversalzung, der sich seit bald einem Jahr an dutzenden Ideen und Konzepten für eine Gesundung der mit Kaliabwässern versalzenen Werra abarbeitet, fühlte sich ins Abseits geschoben. Kurz vor Unterzeichnung am Mittwoch durfte der runde Tisch den Vertrag vorige Woche dann doch noch einsehen. Seine Bedenken wurden dem Vertrag als "Protokollnotiz" angehängt.

Von Geheimhaltung, immerhin, kann keine Rede mehr sein: K+S hat das viel diskutierte Papier jetzt selbst ins Internet gestellt. Sieben Seiten lang, dreifach signiert.

Klar ist: Hier werden Weichen für 30 Jahre gestellt. Sprich: weit über die aktive Zeit des runden Tisches hinaus, der bis Herbst seine Arbeit abschließen will. Klar ist auch: Aus heutiger Sicht traut man dem Kalibergbau an der Werra sogar eine Reichweite bis jenseits von 2060 zu.

K+S hat mehrere Termine bis Jahresende zugesagt, zu denen Vorschläge, Gesamtstrategie und Maßnahmenkonzept fertig sein sollen. Alles mit dem Ziel "Versenkung von Salzabwässern beenden, Einleitung in Werra und Weser weiter reduzieren" - aber ohne Details festzuklopfen.

Mit einer Ausnahme: Die für Ende November 2009 geplante Absenkung des Härtegrenzwerts für Werra und Weser ist im Vertrag einer ziemlich windelweichen Formulierung gewichen. Das lässt Grüne in Hessen und Thüringen wettern: Ein Blankoscheck zur weiteren Werraversalzung sei das - gegen Beschlüsse der Landtage. Auch SPD und Linke in Erfurt rufen "Skandal", wittern "Bauernfängerei".

Und der Niedersachsen-Minister? Der sieht sich und Interessen seines Landes durch den Vertrag der südlichen Nachbarn mit K+S hintergangen. Etwa nach dem Motto: Mitverhandeln durften wir nicht, Salz haben wir aber weiter in der Weser. Sander setzt nun seine Juristen an den Vertrag: Die sollen prüfen, ob Gegenwehr möglich ist.

Dasselbe macht in Köln Rüdiger Breuer: Als Anwalt der Werra-Weser-Anrainerkonferenz traut er Verträgen dieser Machart generell nicht über den Weg. Wie Behörden einem Konzern wie K+S die Einleitung seiner Abwässer in Flüsse oder tiefes Gestein genehmigen dürften, sei wie anderes im Verwaltungsrecht festgelegt - die Beteiligung Betroffener und der Öffentlichkeit inklusive. Solche Dinge separat in Verträgen zu regeln, berge die Gefahr, "dass Dritte mit ihren Rechten außen vor bleiben", sagt Breuer. Anlieger der Flüsse bis nach Bremen hin etwa. Vielleicht verletzte der Kalivertrag sogar EU-Vorgaben zur Gesundung der Flüsse. Dann müsse man wohl Brüssel einschalten.